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Kursleitung
Drumi Dimtschev, Hameln
In diesem Seminar werden wir uns mit den sogenannten frühen Störungen beschäftigen und den daraus abgeleiteten Persönlichkeitstörungen.
Die erste Begegnung, die ich versuchte, war die mit einem Kind, schreibt Moreno in seiner Autobiographie. Zur gleichen Zeit versuchte Freud, seelische Pathologie Erwachsener in Zusammenhang mit kindlichen Traumatisierungen und Fixierungen auf früheren Entwicklungsstufen zu bringen. Trotzdem hat es sich die Psychoanalyse schwer gemacht, das frühkindliche Erleben direkt zu erforschen und in ihre Theoriebildung zu integrieren. Lange Zeit galt der rekonstruierte Säugling, d.h. die durch Analyse Erwachsener gewonnene Erkenntnis über das seelische Innenleben des Kleinkindes als maßgebend. Schon durch R. Spitz, D. Winnicott und M. Mahler, aber insbesondere durch eine Reihe Forscher der 80er und 90er Jahre kündigte sich ein starkes Interesse für den sog. direkt beobachteten Säugling an. Durch Anwendung kreativer Forschungsmethoden und ihre sorgfältige und differenzierte Auswertung ergaben sich überraschende Einsichten, die zu neuen Theoriebildungen, aber auch zu neuwertigen therapeutischen Strategien führten. Es wurde u. a. unübersehbar, dass der Säugling keinesfalls ein Autist, sondern ein kompetenter Kommunikationspartner ist, der nicht nur Erwachsene braucht, sondern selbst an einem gegenseitigen Austauschprozess aktiv beteiligt ist. Die Macht der Triebe" verlor an Bedeutung, dafür aber wurde die Wichtigkeit der Bindung als Motivationskraft deutlich. Zur Schlüsselfrage wurde, wie sich frühe zwischenmenschliche Erfahrungen in unserer "inneren Welt" abbilden (repräsentieren), um sich später in einem impliziten (daher auch unbewussten) Kontext zu aktualisieren? Es wurde also deutlich, dass wir frühe Erfahrungen auch im Erwachsenenleben unbewusst nutzen und daher z.T. lebenslang "Säuglinge" bleiben. So könnte die Persönlichkeitsstörung als ein einseitiges, sich perpetuierendes zwischenmenschliches Verhalten verstanden werden. Andererseits bedeutet diese Erkenntnis, dass wir auch im späteren Leben (wie Säuglinge) die Chance haben, neue zwischenmenschliche Erfahrungen zu machen und diese innerlich zu repräsentieren.
Moreno war überzeugt, dass unsere Spontaneität das Prinzip ist, was uns stets zu neuem ,aber auch angemessenem zwischenmenschlichen Verhalten befähigt und Begegnungen schafft. Spontaneität verband er mit der Offenheit eines Kindes, die Welt zu erforschen und zu erobern Wenn ich ein Kind anschaue, sehe ich ja, ja, ja. Die Kinder müssen das Ja-Sagen nicht lernen. Psychodrama bietet stets die Gelegenheit, sowohl alte zwischenmenschliche Rollen zu erforschen, als auch neue auszuprobieren. Die Erkenntnisse der Säuglingsforschung bestätigen einerseits unsere psychodramatischen Erfahrungen, bieten aber eine neue Chance zu weiterer theoretischer Differenzierung und therapeutischer Ausweitung unserer Methode. In diesem Seminar wird es um die Frage gehen, wie wir als Psychodramatiker diese Erkenntnisse optimal nutzen können.
| Freitag | 05. Mai | 2006 | 19:00 - 22:00 |
| Samstag | 06. Mai | 2006 | 10:00 - 20:00 |
| Sonntag | 07. Mai | 2006 | 10:00 - 15:00 |
Dieses Seminar richtet sich an:
Kursgebühr 190 €
Die Veranstaltung findet in Hamburg statt.
ISI - Institut für Soziale Interaktion
Bei der Christuskirche 4
20259 Hamburg
Dieses Seminar ist auch als Einzel-Seminar zu buchen.
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